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Wie Gläser das Erlebnis beeinflussen

Für die Freunde des edlen Tropfens führt früher oder später auch am Whiskey kein Weg vorbei. Ob der Single Malt nun eigens aus dem Urlaub in Schottland mitgebracht wurde, oder im nächsten Supermarkt um die Ecke besorgt worden ist, der Genuss eines solchen Getränks ist unvergleichlich.

Doch es gibt so einiges, was man beim Konsum von Whiskey falsch machen kann. Und wer vielleicht noch nie zuvor Whiskey probiert hat, der neigt unbewusst dazu, in ein Fettnäpfchen zu treten. Sogar vor dem Trinken selbst nimmt der Whiskeykenner auf mehrere Faktoren Rücksicht. Um nur ein paar wenige Fehltritte zu nennen, die beim Whiskeytrinken gemacht werden können:

  • Whiskey pur, ohne Wasser trinken (vor allem Leute, die noch nie Whiskey getrunken haben)
  • Kaufen, was billig ist, und die Qualität in den Hintergrund stellen
  • Whiskey mit Eiswürfeln trinken
  • falsches Schwenken
  • der Mund bleibt zu
  • man verzichtet auf Riechen und Nippen

Gibt es DAS Whiskeyglas?

Die Antwort ist: ja. Fakt ist aber auch, dass andere Gläser ebenso ihre Daseinsberechtigung haben und einige Vorteile mit sich bringen. Das eine wirkt vielleicht eleganter, das andere wird durch die Körperwärme nicht beeinflusst, und noch ein weiteres ist vielleicht in seiner Nutzung vielseitiger und eignet sich auch für andere Getränke. Was zeichnet nun also das perfekte Whiskeyglas aus?

Platz 4: Kelchgläser und Tulpen

Das Glas weist einen breiten Boden mit einem sehr kurzen Hals auf, der je nach Modell und Hersteller mal breiter und mal schmäler ausfallen kann. Das obere Ende wölbt sich etwa einen Zentimeter nach außen.
Die gleichmäßige, elegante und schlichte Form ermöglicht dem Tropfen ein gutes Atmen und die gewölbte Form lässt die Flüssigkeit ohne zu tropfen gut fließen. Die Aromen des Whiskeys bleiben über die gesamte Verweildauer erhalten und sorgen für einen gleichmäßigen Geschmack.
Da die Breite des Glases aber je nach Hersteller auch variieren können, kommt es vor, dass bei zu breiten Öffnungen die Aromen dennoch verfliegen. Auch der Kostenpunkt ist ein Minuspunkt für Kelch- und Tulpengläser, da sie vergleichsweise sehr teuer ausfallen.

Platz 3: Der Whiskey Tumbler

In der Allgemeinheit ist es als das Whiskeyglas schlechthin bekannt, und fast jeder - selbst wenn er keinen Whiskey trinkt - besitzt zumindest ein solches. Es fällt nicht auf, da es eine einfache kompakte Form (ähnlich jener eines gewöhnlichen Trinkglases, jedoch etwas kürzer und breiter) aufweist; lediglich der vergleichsweise dicke Unterboden des Glases sticht ins Auge. Unterschiedliche Modelle können entweder geradhalsig nach oben gehen oder zeigen eine minimale Wölbung nach außen hin.
Vorteile ergeben sich einerseits in der vielseitigen Anwendungsmöglichkeit, da sich der Whiskey Tumbler beispielsweise auch für Cocktails, Frucht- oder Gemüsesmoothies eignet. Unter vielen Whiskeytrinkern wird man zwar schräg beäugt, wenn man ihn auf Eis trinkt, doch will man dies tun, so bieten die Tumbler eine ausreichend breite Öffnung und Platz für die doch recht klobigen Eiswürfel.
Und: der Tumbler hat einen Berühmtheitsgrad. Der berühmt-berüchtigte 007 Agent James Bond, seinerseits Whisketrinker, hat diesem Glas eine besondere Fernsehrolle vermacht; wie gern wäre doch so mancher von uns an Stelle des Glases gewesen, nicht?
Der große Nachteil ist, dass die Aromen sich sehr sehr schnell verflüchtigen und nur abgeschwächt bis gar nicht zur Geltung kommen.

Hinsichtlich des klassischen Whiskey Tumblers gibt es jedoch zwei Hersteller, die den Mut hatten um die Tradition zu brechen, und Ausnahmen darstellen. Villeroy und Boch sowie Norman Copenhagen heißen sie, und haben Tumbler produziert, die immer weiter zulaufen, je weiter oben man sie betrachtet.

Platz 2: Das Nosingglas - Trinken mit Stil

Um bei gesellschaftlichen Anlässen gut Punkte zu sammeln, serviert man Whiskey am besten im Nosingglas. Es ähnelt ab und an einem Sektglas, weist aber dennoch markante Unterschiede auf:
Nosinggläser haben breite Unterböden für einen stabilen Stand und einen langen Hals. An diesem werden die Gläser gegriffen; und damit ergibt sich der angenehme Vorteil, dass der Whiskey im Glas nicht durch die eigene Körperwärme seine Konsistenz verflüchtigt. Die erste Ausbuchtung des Gefäßes ist ein wenig breiter und verschmälert sich nach oben hin. Da der obere Rand schmäler ist, verweilen die Aromen wesentlich länger im Glas, da eine wesentlich kleinere Austrittsöffnung gegeben ist. Die wunderschönen Gläser sind äußerst preiswert, leider sind sie jedoch sehr brüchig und absolut nicht kompatibel mit einem Geschirrspüler; Handwäsche wird wärmstens empfohlen.

Platz 1: Das Glencairn-Glas

Sie sind klein, kompakt und wirken optisch sehr elegant. Glencairn-Gläser haben einen sehr schmalen Stand, schmäler als die erste Ausbuchtung des Gefäßes selbst ist. Auch der Hals ist nur sehr kurz, und gehalten wird es direkt am Gefäß. Ein Pluspunkt: Während bei anderen Gläsern die Gefahr besteht, dass die Körperwärme weitergeleitet wird, ist dies bei Glencairn-Gläsern nicht der Fall. Außerdem zeigt es sehr gut in der Hand, hat ein optisch ansprechendes und in den Blick fallendes Design und ist sehr robust verarbeitet. Es kann also ganz ohne Probleme im Geschirrspüler gewaschen werden und verliert (bei Verwendung eines geeigneten Klarspülers) auch seinen Glanz nicht. Unter all den verschiedenen Modellen an Whiskeygläsern stellt das Glencairn wohl das absolute Optimum dar.

Was lernen wir daraus?

Ein richtig guter Whiskey, hochqualitativ von einem Hersteller mit gutem Ruf, kann in der Tat durch falsches Trinken als negative Erfahrung gewertet werden. Daher sind nicht nur die richtige Lagerung und die Zubereitung (ja, man kann und SOLL Whiskey richtig zubereiten) wichtig, sondern auch das Nippen, Schwenken und die Wahl des richtigen Glases, wobei letzteres wohl eines der Kernthematiken darstellt. Denn das falsche Glas kann selbst die richtige Lagerung und die beste Zubereitung binnen nur weniger Minuten zunichte machen. Als preiswerte Empfehlung möchte abschließen nochmals das Glencairn Glas erwähnt werden, das nicht nur preiswert und leicht zu reinigen ist, sondern auch die Aromen langfristig behält, robust und langlebig ist, sowie auch gut in der Hand liegt, ohne die eigene Körperwärme auf den Whiskey zu übertragen. Damit steht den ersten Genüssen des schottischen Nationalgetränks nichts mehr im Wege.